PRESSEMITTEILUNG

PRESSEMITTEILUNG Bad Hindelang, 3. Juli 2021

Grandios: Tristan Schwandke löst Olympia-Ticket 2021 ist sein Jahr

Tristan Schwandke wirft bayerische Rekorde in Serie, gewinnt Teamgold beim Werfercup in Split, katapultiert sich in die Weltspitze, siegt beim internationalen Leichtathletik-Meeting in Luzern und ist seit 13 Jahren der erste deutsche Hammerwerfer, der sich für eine Teilnahme an Olympischen Spielen qualifiziert.

Grund genug, seine Karriere, seine Höhen und Tiefen aufzuzeichnen und sich auch mit einer der Kernfragen im Leistungssport zu beschäftigen: Doping. Der 29-jährige Maschinenbauingenieur vom TV Hindelang kann es noch gar nicht realisieren. Er hat sich als erster deutscher Hammerwerfer seit 13 Jahren für die Teilnahme an Olympischen Spielen qualifiziert. Über die Eventrankingliste sicherte er sich mit Platz 32 das Flugticket ins Land der aufgehenden Sonne. Hier wird er am 2. August um 02.00 Uhr Bad Hindelanger Ortszeit um die Qualifikation für den Endkampf in Tokio werfen. An diesem Tag wird im Olympiastadion der 10-Millionen-Metropole (der Ballungsraum Tokios zählt mehr als 37 Millionen Menschen) der Name der gut 5000 Einwohner zählenden Oberallgäuer Gemeinde Bad Hindelang aus den Lautsprechern tönen und Tristan Schwandke vom TV Hindelang als Teilnehmer des Qualifikationswettkampfs ankündigen. Sollte er dort erfolgreich sein, stünde er am 4. August um 11.30 Uhr im Finale der besten 12. Um diese Leistung besser einordnen zu können, ist ein Blick auf die Olympische Geschichte des deutschen Hammerwurfs erforderlich. 13 lange Jahre mussten vergehen, bevor ein deutscher Hammerwerfer (die Frauen waren hier, u.a. mit der ehemaligen Weltrekordhalterin Betty Heidler, wesentlich erfolgreicher und auch präsenter) das olympische Feuer live aus dem Wurfring betrachten konnte. Tristans erklärtes Ziel ist es, mindestens Rang 12 zu erreichen, also die Vorrunden erfolgreich zu überstehen. Damit gelänge ihm eine kleine Sensation, denn im Finale war letztmals vor mehr als einem Vierteljahrhundert ein deutscher Hammerwerfer vertreten. Dies zeigt, wie schwierig es ist, bei Olympia zu punkten. Hunderttausende von Athleten konnten ihren Traum von einer Teilnahme niemals erfüllen. Hinzu kommt eine durch Corona immer wieder unterbrochene und gestörte Vorbereitungszeit. Schauen wir auf die Medaillenausbeute im Hammerwurf, so gab es bei allen Spielen von 1896 bis heute lediglich 7 deutsche Medaillen (darunter nur eine Goldversion von Karl Hein aus dem Jahr 1936). Karl-Heinz Riem (Silber mit 77,98m) und Klaus Ploghaus (Bronze mit 76,68m) gewannen 1984 in Los Angeles die letzten Medaillen. Ohne deren Leistung schmälern zu wollen, ist zu berücksichtigen, dass in jenem Jahr nahezu alle Werfer der großen Hammerwurfnationen aus den ehemaligen Ostblockstaaten aufgrund des Olympiaboykotts gar nicht in den Ring stiegen. Vor diesem Hintergrund erkennt man sehr rasch, wie schwer es ist, sich erstens im Olympiafeld zu positionieren und zweitens dann auch zu behaupten. Und natürlich kann man so auch Tristans diesjährige Leistung erheblich besser einordnen. Deutschland ist im internationalen Vergleich nie eine starke Hammerwurf-Nation gewesen. Die Gründe liegen in einer nicht so ausgeprägten Tradition und im System des Leistungssports hierzulande. Laufen kann man ab dem 1. Lebensjahr und sehr schnell laufen sicherlich spätestens ab dem 18. Lebensjahr. Die Karriere eines Leistungssportlers im Lauf lässt sich damit viel besser den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer Biographie anpassen. Im Hammerwurf wird der Leistungszenit zwischen dem 27. und 32. Lebensjahr erreicht; so dass sich der Sportler um seine berufliche Karriere und das finanzielle Auskommen auch dann noch sorgen muss, wenn andere bereits ihrer Sportkarriere erfolgreich beendet haben und nahtlos ins Berufsleben starten; einige “frühreife” Athleten und vor allem die offenkundig und unerkannt gebliebenen Werfer aus Arztpraxis und/oder Apotheke einmal ausgenommen. Doping ist leider fester Bestandteil des Leistungssports; das war so und wird vermutlich auch in Zukunft so bleiben. Es gab und gibt Athleten, die leistungssteigernde Mittel in einer Menge einnehmen, mit der man 30 Tiere eines Rindermastbetriebs innerhalb kürzester Zeit aufs Schlachtgewicht bringen könnte. In den Medien wird leider zu wenig darüber berichtet, auch zu wenig über die Spätfolgen dieses kriminellen Handelns; wenn etwa bösartige Tumore in den Fortpflanzungsorganen, der Leber und den Nieren ihr zerstörerisches Werk verrichten, wenn multiples Organversagen zur Versaftung des eigenen Körpers führt und das Herz aufgrund chronischer Überlastung plötzlich und unerwartet dem ganzen Dopingspuk ein makabres Ende bereitet. Zumindest in Deutschland hat man in den vergangenen Jahren sehr viel dafür getan, diesem Wildwuchs mit einem flächendeckenden Kontrollsystem zu begegnen. Im internationalen Vergleich kann sich das sehen lassen. Die Zahl der Dopingsünder ist von Flensburg bis Oberammergau überschaubar. Zahlreiche Reportagen belegen aber, dass Kontrollsysteme in einigen Ländern kaum greifen. Die Dunkelziffer dürfte insgesamt hoch sein und am Ende muss jeder Athlet für sich selbst Rechenschaft ablegen und die Frage beantworten, welchen Wert eine gute Platzierung, ein Sieg oder gar eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen hat, wenn sie mit Hilfe leistungssteigernder Pharmaprodukte erzielt wurde? Wenn von sauberem Sport die Rede ist, liegt es nahe, dass es eine Gruppe “verschmutzter” oder “unsauberer” Sportler geben muss. Nun kann man davon ausgehen, dass gedopte Athleten sich genauso regelmäßig oder unregelmäßig waschen wie jene, die keine verbotenen Substanzen zu sich nehmen. Doping im Sport ist keine oberflächliche Verschmutzung, Doping ist handfester Betrug und in letzter Konsequenz auch kriminell. Würde in den Schlagzeilen der gedopte Sportler zum kriminellen Betrüger deklariert, hätte dies zumindest eine verbal abschreckende Wirkung. Eine lebenslange Sperre könnte der Schlüssel zum erfolgreiche Kampf gegen Doping sein. Ein Blick auf die Entwicklung von Weltrekorden in den einzelnen Disziplinen bietet mehr Informationen als der Beipackzettel jeder verbotenen Substanz. Wer sich mit diesem Thema noch nie oder nur am Rande beschäftigt hat, sollte wissen, dass sich auch nicht so talentierte Dopingsünder gegenüber sauberen Athleten problemlos Vorteile verschaffen können, die von diesen auch in Bestform nicht zu übertreffen sind. Kraft, Ausdauer, Konzentration, Aggression und vor allem die so wichtige Regeneration lassen sich mit Hilfe der Medizin so kontrollieren, dass die saubere Konkurrenz nicht der Hauch einer Siegchance hat. Merkwürdig muten da immer wieder die Relativierungen von einigen Sportlern und manchen Trainern an, dass Doping bei technisch anspruchsvollen Disziplinen keine oder weniger “Früchte” trage. Diese ahnungslosen Träumer und Ignoranten scheinen nicht zu wissen, dass selbst beim Schachspiel gedopt wird.In diesem Zusammenhang – das “Spiel der Könige” einmal ausgenommen – wäre es in der Tat spannend zu wissen, wie die Rang- und Weltrekordlisten in der Leichtathletik wohl aussähen, wenn man sie sozusagen posthum um die gedopte Liga bereinigen könnte. Wer Freude am Recherchieren hat, findet auf Wikipedia attraktive Übersichten zu den Olympischen Spielen, den Ranglisten, Medaillengewinnern und Teilnehmern in nahezu allen Sportarten. Am spannendsten sind natürlich die Biographien der Athleten, denn dort findet man – sofern aktenkundig geworden – auch gleich die entsprechenden Dopingsperren. Solch eine Recherche lohnt sich auf bei den 32 Athleten, die sich aktuell qualifiziert haben, denn Lesen bildet bekanntlich und man gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse. Nicht entgehen lassen sollte sich der geneigte Leser darüber hinaus die Entwicklung der Wettkampfweiten und Weltrekorde sowie ihre plötzlich Stagnation bis hin zur “Unmöglichkeit” jemals wieder einen neuen Weltrekord aufstellen zu können. In Tokio will die Weltantidoping-Agentur erstmals ein neues Testverfahren einsetzen, mit dessen Hilfe erheblich mehr Athleten überwacht werden können. Ziel muss es sein, dass Dopingsünder in einen permanenten Zustand der Ungewissheit versetzt werden. Sie müssen spüren, dass es jeden Tag mit ihrer Pseudosportlerkarriere aus sein kann.

Doch nun zurück in Tristans sensationelles Hammerwurfjahr 2021 und wie es ihm gelungen ist, nach fast 20 Jahren in den “Olymp” aufgenommen zu werden.

Ein Rückblick: Der 23. Mai 2021 wird in den Geschichtsbüchern des deutschen Hammerwerfens sicherlich einen festen Raum einnehmen. Und Tristan wird er ganz besonders in Erinnerung bleiben. Der Deutsche Meister und bayerische Rekordhalter feierte an diesem Tag während des Hammerwurfmeetings in Haßloch seinen 29. Geburtstag. Nach 18 Jahren Training sollte es ein ganz besonderer Tag für ihn werden. Bereits am 15. Mai hatte er beim Halleschen Werfermeeting mit einem Wurf auf 74,25 m den exakt ein Vierteljahrhundert gültigen bayerischen Rekord von Alexander Sporrer um 9 cm überworfen. An seinem Geburtstag pulverisierte er seinen eigenen, erst 8 Tage alten bayerischen Rekord mit jedem Wurf in Serie, bis er schließlich mit seinem sechsten und letzten, sensationellen “Treffer” auf 76,71 m seine hallesche Bestweite um fast zweieinhalb Meter übertraf. Damit katapultierte sich der Bad Hindelanger Hammerwerfer auf Platz 23 der Weltrangliste, schrieb sich in die ewige Bestenliste der deutschen Leichtathleten, positionierte sich in der Weltspitze und schaffte eine Weite, die hierzulande zuletzt 2013 erreicht wurde; eine ganze deutsche Hammerwurfgeneration liegt dazwischen.

Der Herr aller Ringe: Bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig am 5. Juni holte sich der diesjährige Goldmedaillengewinner beim Team-Europacup der Werfer zum dritten Mal in Folge den Deutschen Meistertitel und nur eine Woche später konnte Tristan Schwandke mit einem grandiosen Wurf von 76,03 Metern in Fränkisch-Crumbach weitere wertvolle Punkte für die Olympiaqualifikation sammeln. Einmal mehr bewies er, der Herr aller Ringe in Deutschland zu sein. 9480 Kilometer lang ist der Weg von Bad Hindelang nach Tokio. Zur Norm für die Teilnahme an den Olympischen Spielen fehlten ihm jetzt gerade noch 79 cm. Zu keinem Zeitpunkt ist er besser in Form gewesen – nichts schien unmöglich, denn seit drei Jahren steigt Tristans Leistungskurve kontinuierlich an. Für die Spiele 2021 wurde neben der Normweite eine Eventranking-Liste als Qualifikationskriterium eingeführt. Am Ende bekommen die besten 32 ihr Ticket für die Olympischen Spiele. Während der Saison schwankten Tristans Platzierungen zwischen 23 und 36, Teilnahme und Ausscheiden aus dem Rennen um Tokio lagen eng beieinander. Da fällt es nicht leicht, sich immer wieder auf den nächsten Wettkampf zu konzentrieren, denn der Druck erhöht sich von Woche zu Woche. Für Tristan hielt er bis zum heutigen Nominierungstag an. Nach seinem letzten Wettkampf beim Internationalen Leichtathletik-Meeting in Luzern am 29. Juni (dies ist auch der letzte Tag für eine Qualifikation gewesen) konnte er sich mit seinem Sieg und 74,66m im hochkarätig besetzten Feld die nötigen Punkte holen und auf Rang 32 seine Teilnahme an den Olympischen Spielen sichern.

Dabei verlief die Geschichte seiner sportlichen Karriere nicht immer so, wie es sich der junge Maschinenbauingenieur vorgestellt hatte. Jene, die einst mit ihm gemeinsam auf Wettkämpfen gegeneinander antraten, haben fast ausnahmslos aus verschiedenen Gründen dem Leistungssport die Schulter gezeigt und sich von ihm verabschiedet. Verletzungen, familiäre Bindungen, mangelnde finanzielle Unterstützung und die geringe Wertschätzung gegenüber einer hochsensiblen und technisch anspruchsvollen Sportart, sind nur einige der Gründe. Auch Tristan ist nicht immer frei von Zweifeln gewesen. Als Athlet, der fast täglich allein auf dem Bad Hindelanger Hammerwurfgelände anzutreffen ist, beim Krafttraining den “Einzelkampf” bevorzugt, Vollzeit arbeitet und “nebenbei” noch ein Fernstudium in Fahrzeugtechnik absolviert, sieht er sich Herausforderungen gegenübergestellt, von denen viele Leistungssportler noch nicht einmal gehört haben. Dass es im Winter im Oberallgäu bei minus 15° C und jeder Menge Neuschnee nicht immer leicht ist, sich für ein kräftezehrendes Hammerwurftraining zu erwärmen, versteht sich von selbst; ein Wurfhaus, wie es die großen Vereine nutzen, gibt es hier nicht. Warum, stellt man sich die Frage, entwickelt ein junger Mann trotz aller Widrigkeiten den Ehrgeiz, sich dennoch jeden Tag aufs Neue für s e i n Ziel zu motivieren? Pure Leidenschaft für den Hammerwurf. Die Antwort ist simpel: Triebfeder eines solchen Engagements ist pure Leidenschaft und die Unterstützung von Personen, denen er und die ihm kompromisslos vertrauen. Neben seinen Eltern – seine Mutter ist Sportlehrerin, sein Vater ist für das Kraft- und Gewichthebertraining verantwortlich – ist es das vor vier Jahren hinzugestoßene Schweizer Trainer-Team, Wolfgang und Björn Kötteritzsch, das Tristans Entwicklung der letzten Jahre maßgeblich geprägt haben; nicht zu vergessen Wolfgangs Frau, Roswitha, die dem agilen Hammerwerfer während seiner Trainingsaufenthalte in St. Gallen nicht nur eine gemütlich “Bleibe” herrichtet, sondern ihn mit Speis und Trank sowie Lunchpaketen bis hin zu vorgekochten Mahlzeiten für den Heimweg versorgt und in ihrem Rundum-Sorglospaket auch noch aufmunternde Worte verpackt, wenn es einmal nicht so gut läuft. Beide Trainer haben Tristan mit hoher Fachkenntnis einfühlsam und nachdrücklich die Kernelemente einer erfolgreichen Hammerwurftechnik beigebracht und ihn für die Feinheiten der Bewegungsabläufe im Ring sensibilisiert. Und dies meist aus der Ferne per täglicher Videoanalyse und von Zeit zu Zeit auch vor Ort in Bad Hindelang oder im Schweizer St. Gallen. Dieses Umfeld, das von Vertrauen, Freundschaft und Passion für den Hammerwurfsport geprägt ist, hat Tristan in den letzten Jahren reifen lassen und aus ihm einen fast perfekten Hammerwerfer gemacht. Zwanzig Jahre Training mit allen Höhen und Tiefen liegen hinter ihm. Jetzt wurde Tristans außerordentliches Engagement mit dem Ticket nach Tokio belohnt; alles weitere ist Kür. Und im kommenden Jahre warten schon die Europameisterschaften in München und die Weltmeisterschaften in Eugene im Staate Oregon (USA) auf ihn, bevor er im Zenit seiner Hammerwurfkarriere die Olympischen Spiele in Paris 2024 ins Visier nehmen kann. Dann wird zweifellos auch die Medaillenfrage im Raum stehen, denn die diesjährigen Trainingsweiten zwischen 76m und 78m geben Hoffnung, dass die Karriere jetzt erst beginnt; zumal sich die Technik 2021 erstmals dem Optimum angenähert hat. Im kommenden Jahr wird er diese Leistung und auch mehr auf den Ring bringen, sind sich alle Trainer sicher. Denn natürlich muss Tristan noch mehr Erfahrungen bei Großereignissen auf dem internationalen Hammerwurfparkett sammeln. Bevor Tristan am 22. Juli ins Flugzeug nach Tokio steigt, wird er noch einmal bei den Bayerischen Meisterschaften am 18. Juli in Erding in den Ring steigen, um im Wettkampfrhythmus zu bleiben.

Es gibt zwei japanische Sprichwörter, die ihn auf dem Weg in die ostasiatische Metropole begleiten sollen: 1. Jeder vorstehende Nagel wird eingehämmert. 2. Je höher der Baum, desto neidischer der Wind.

Pressemitteilung 23. Mai 2021

Große Momente – überragende Weiten

Tristan Schwandke wirft bayerischen Rekord in Serie, katapultiert sich in die Weltspitze und nimmt weiter Kurs auf Tokio

Der 23. Mai 2021 wird in den Geschichtsbüchern des deutschen Hammerwerfens sicherlich einen festen Raum einnehmen. Und einem Athleten wird er ganz besonders in Erinnerung bleiben. Der zweifache Deutsche Meister und bayerische Rekordhalter Tristan Schwandke vom TV Hindelang feierte an diesem Tag während des Hammerwurfmeetings in Haßloch seinen 29. Geburtstag. Nach 18 Jahren Training sollte es ein ganz besonderer Tag für ihn werden. Bereits am 15. Mai hatte er beim Halleschen Werfermeeting mit einem Wurf auf 74,25 m den exakt ein Vierteljahrhundert gültigen bayerischen Rekord von Alexander Sporrer um 9 cm überworfen. Seit drei Jahren steigt die Leistungskurve bei Tristan kontinuierlich an. Dabei verlief die Geschichte seiner sportlichen Karriere nicht immer so, wie es sich der junge Maschinenbauingenieur vorgestellt hatte. Jene, die einst mit ihm gemeinsam auf Wettkämpfen gegeneinander antraten, haben fast ausnahmslos aus verschiedenen Gründen dem Leistungssport die Schulter gezeigt und sich von ihm verabschiedet. Verletzungen, familiäre Bindungen, mangelnde finanzielle Unterstützung und die geringe Wertschätzung gegenüber einer hochsensiblen und technisch anspruchsvollen Sportart, sind nur einiger der Gründe. Auch Tristan ist nicht immer frei von Zweifeln gewesen. Als Athlet, der fast täglich allein auf dem Bad Hindelanger Hammerwurfgelände anzutreffen ist, beim Krafttraining den “Einzelkampf” bevorzugt, Vollzeit arbeitet und “nebenbei” noch ein Fernstudium in Fahrzeugtechnik absolviert, sieht er sich Herausforderungen gegenübergestellt, von denen viele Leistungssportler noch nicht einmal gehört haben. Dass es im Winter im Oberallgäu bei minus 15° C und jeder Menge Neuschnee nicht immer leicht ist, sich für ein kräftezehrendes  Hammerwurftraining zu erwärmen, versteht sich von selbst; ein Wurfhaus, wie es die großen Vereine nutzen, gibt es hier nicht. Triebfeder eines solchen Engagements ist pure Leidenschaft und die Unterstützung von Personen, Sponsoren und Partner, denen er und die ihm kompromisslos vertrauen. Neben seinen Eltern – seine Mutter ist ausgebildete Sportlehrerin, sein Vater ist für das Kraft- und Gewichthebertraining verantwortlich – ist es das vor vier Jahren hinzugestoßenen Schweizer Trainer-Team, Wolfgang und Björn Kötteritzsch, das Tristans Entwicklung der letzten Jahre maßgeblich geprägt hat. Beide haben ihm mit hoher Fachkenntnis einfühlsam und nachdrücklich die Kernelemente einer erfolgreichen Hammerwurftechnik beigebracht und ihn für die Feinheiten der Bewegungsabläufe im Ring sensibilisiert. Und dies meist aus der Ferne per täglicher Videoanalyse und von Zeit zu Zeit auch vor Ort in Bad Hindelang oder im Schweizer St. Gallen. Dieses Umfeld, das von Vertrauen, Freundschaft und Passion für den Hammerwurfsport geprägt ist, hat Tristan Schwandke in den letzten Jahren reifen lassen und aus ihm einen fast perfekten Hammerwerfer gemacht.

Beim Hammerwurfmeeting in Haßloch wurden die Anstrengungen jetzt mehr als belohnt. Seinen eigenen bayerischen Rekord vor 8 Tagen pulverisierte Tristan Schwandke mit jedem Wurf in Serie, bis er schließlich mit seinem sechsten und letzten sensationellen “Treffer” auf 76,71 m seinen helleschen Rekord um fast zweieinhalb Meter übertraf. Damit katapultierte sich der Bad Hindelanger Hammerwerfer auf Platz 23 der aktuellen Weltrangliste, schrieb sich in die ewige Bestenliste der deutschen Leichtathleten, positionierte sich in der Weltspitze und schaffte eine Weite, die hierzulande zuletzt 2013 erreicht wurde; eine ganze deutsche Hammerwurfgeneration liegt dazwischen. Zur Norm für die Teilnahme an den Olympischen Spielen fehlen ihm jetzt gerade noch 79 cm. Am kommenden Wochenende will Tristan bei den Team-Europameisterschaften der Leichtathletik im polnischen Chorzów diese Differenz ausgleichen; eine Woche später folgen am 5. Juni die deutschen Leichtathletikmeisterschaften im niedersächsischen Braunschweig. Zu keinem Zeitpunkt ist er besser in Form gewesen – nichts ist unmöglich.

Pressemitteilung 17. Mai 2021

Tristan Schwandke knackt 25 Jahre alten Bayerischen Rekord

Der 28-jährige Hammerwerfer vom TV Hindelang untermauerte bei den renommierten Halleschen Werfertagen an diesem Wochenende seinen Führungsanspruch unter den deutschen Hammerwerfern und positionierte sich im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio auch international ausgezeichnet. In Deutschland wirft er im dritten Jahr in Folge ungeschlagen; und auch in Halle an der Saale, das jedes Jahr zum Treffpunkt der Werfereliten avanciert, blieb er der Herr aller Ringe. Seine herausragende Wurfserie in Halle – zwei Würfe über der 73-Meter-Marke und der dritte mit 74.25 Metern – bringt den Athleten einen deutlichen Schritt weiter auf seinem Weg in Richtung Tokio. Schwandkes Weite bedeutete nicht nur den ersten Platz, sondern auch eine neue persönliche Bestweite. Und das Allerbeste zum Schluss: mit 74,25 Metern warf er neuen bayerischen Rekord und löste den alten von Andreas Sporrer im Jahr 1997 aufgestellten nach 24 Jahren ab. Der frischgebackene bayerische Rekordhalter gibt sich nach dem Wettkampf zuversichtlich: “Da geht noch deutlich mehr, meine Form stimmt zurzeit und ich entwickle mich kontinuierlich weiter. Ein paar Stellschrauben sind noch zu drehen und dann sollte es mir gelingen, auch international sehr weit vorn zu landen. Gleichzeitig steht für mich aber auch fest, dass eine sehr gute Form noch lange kein Garant für Siege oder eine Olympiaqualifikation ist. Ich bewahre mir immer auch ein Quäntchen Demut, denn im Sport liegen Sieg und Niederlage sehr eng beinander.” Sein Ziel, Tokio zu erreichen, stellt er damit natürlich nicht in Frage. In den kommenden Wochen geht es bis Ende Juni jedes Wochenende an den Start, in vierzehn Tagen zu den Team-Europameisterschaften nach Chorzów in Polen und am 5./6. Juni zu den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften nach Braunschweig. Am Ende wünscht sich Schwandke dann für die ganze Anstrengung mit einem Ticket nach Tokio belohnt zu werden.